Liebe Hundefreunde,

der älteste Witz unter Hundehaltern? „Unser Hund gehorcht auf`s Wort. Wenn man ihm sagt, komm oder bleib weg, dann kommt er … oder er bleibt weg.“

Wir sollten nicht glauben, dass unsere vierbeinigen Freunde das machen, was wir möchten. Nein. Sie machen immer das, was sie wollen. Der Trick in der Hundeerziehung besteht darin, ihnen etwas anzubieten, was sie in dem Moment noch mehr wollen.

Hierfür möchte ich Ihnen gerne ein paar grund­legende Tipps geben, die das alltägliche Leben mit Ihrem Familienhund erleichtern. Dafür sind die Anforderungen natürlich bei weitem nicht so hoch, wie bei einer professionellen Gebrauchs­hunde­aus­bildung. Und das führt auch schon zu meinem ersten Tipp:

Keine Perfektion erwarten

Hunde sind weder Maschinen noch hängen sie an Fäden. Sie besitzen unterschiedliche Charaktere,  agieren und reagieren durchaus individuell und „menschlich”. Sie lernen, wenden das Erlernte aber nicht immer an. Rückschläge sind völlig normal. Geduld und Gelassenheit sind geboten. Und mal ganz ehrlich: Wollen wir einen perfekten Hund?

Natürlich sind Halter unterschiedlich ehrgeizig. Üblicherweise kommt ein Familienhund aber mit wenigen Kommandos aus. Hierbei gilt: Die wichtigen zuerst und immer wieder üben. Die wichtigsten sind: „Bei Fuß“ (zur Vermeidung / zum Beenden von Gefahrensituationen) und „Aus“ (um Giftiges, Gefährliches oder Lebendiges auszulassen).

Das kleine 1 x 1 der Hundepädagogik

Genau wie bei der menschlichen Erziehung, gibt es auch beim Hund nur jeweils zwei Möglichkeiten, erwünschtes Verhalten zu fördern und unerwünschtes zu reduzieren. Doch anders als bei Kindern und Jugendlichen bringen Erklärungen und Ankündigungen überhaupt nichts (Ja, ich weiß, bei denen oft auch nicht ;-)). Es gilt der einfache S-R-Ansatz der Pädagogik: Stimulus (Reiz) – Reaktion:

Grundsätzlich gilt, dass das Hinzufügen eines Reizes stärker auf das Verhalten wirkt als die Wegnahme eines Reizes. Ebenso gilt, dass Strafen zwar wirken, aber auf die Beziehung Ihres Tieres zu Ihnen negative Auswirkungen haben. Schmerzen und dauerhafte Vernachlässigung sind in keinem Fall notwendig und zudem tierschutzrechtlich relevant.

Aus all dem folgt: Belohnungen sind die stärkste „Waffe”, die Sie bei der Erziehung Ihres heran- und ausgewachsenen Rackers einsetzen können.

 

Belohnen – aber richtig

Die besten Lernerfolge liefern also positive Verstärkungen. Doch auch hierbei sollten Sie noch einiges beachten:

1. Abwechslung beim Belohnen

Welche Möglichkeiten haben Sie, Ihren Liebling zu belohnen?

  1. Leckerchen / Futterhäppchen
  2. verbales Lob / Streicheln / Kraulen
  3. Spielen (Zerr-/ Wurf- / Suchspiele)
  4. vergleichbare Aktivität erlauben (Beispiel: er buddelt an verbotener Stelle: buddeln anderswo ermöglichen)

Ja, Leckerchen wirken immer! Und es gibt keinen Grund, sie als reines Bestechungsmittel zu verteufeln. Doch wechseln Sie die Belohnungen ruhig durch. Ihr Hund wird sich immer über das am meisten freuen, was er sich gerade am meisten wünscht.

2. Zeitliche Nähe ist entscheidend

Damit Ihr vierbeiniger Freund Sie versteht, muss die Belohnung / Bestrafung unmittelbar ohne zeitlichen Verzug auf das Verhalten folgen. Beispiel: Sie rufen ihn eine gefühlte halbe Ewigkeit, doch er stromert weiter. Irgendwann kommt er von ganz allein, freudig schwanzwedelnd angezottelt. Ihre Reaktion wird er ausschließlich mit seinem letzten Verhalten in Verbindung bringen, also der freudigen Wiederkehr. Eine Bestrafung für das vorherige Fehlverhalten ist sinnlos, sogar kontraproduktiv. Geschickter ist es, ihn jetzt nochmals zu rufen und bei Ankunft zu belohnen.

3. Intervallbelohnung wirkt nachhaltiger als permanente Belohnung

Versuch macht klug. Das wissen auch unsere Fellnasen. Sie möchten etwas (Leckerchen, Spielen, Aufmerksamkeit, …) und sie wissen, wie sie es bekommen können. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, versuchen sie es halt öfter – das gewünschte Verhalten prägt sich auf die Weise noch besser ein. Genau das ist auch der große Vorteil von Belohnungen gegenüber Bestrafungen, denn diese müssen immer erfolgen. Andernfalls könnte bei Ihrer Fellnase die Idee aufkommen „na, vielleicht merken meine Ernährer/innen diesmal ja nichts”. Belohnungen sind also nicht nur wirksamer und intensivieren die Beziehung Mensch – Hund, sie sind auch bequemer.

4. Mit Lerckerchen richtig umgehen

Auch das Belohnen will gelernt sein. Um sich und Ihrem Vierbeiner nicht zu schaden, können Sie und Ihre Familie einiges beachten:

  1. Verwenden Sie nur artgerechte, ernährungsphysiologisch einwandfreie Leckerchen. Pralinen, Schokolade, Salzkräcker u. ä. haben auch in kleinen Mengen in der Hundeernährung nichts zu suchen.
  2. Geben Sie Leckerchen auf keinen Fall „on-top“ zur täglichen Nahrungsmenge. Berücksichtigen Sie die Nährwerte und Fütterungsempfehlungen, und reduzieren Sie entsprechend das sonstige Futter.
  3. Besonders in Lern- und Trainingssituationen sollten die „Häppchen“ so klein sein, dass sie sofort verschluckt werden können und nicht erst lange gekaut werden müssen. Kauen lenkt von Wiederholungen ab, da es die Konzentration und Aufmerksamkeit Ihres Tieres unterbricht.
  4. Leckerchen sollten transportabel sein. Sie tun sich keinen Gefallen, wenn sie nur schlecht portioniert werden können oder nach kurzer Zeit zerlaufen oder stinken.
  5. Verletzen Sie sich nicht beim Belohnen – kein Scherz! Besonders junge und kleine Hunde haben recht scharfe Zähne, bei anderen steckt ordentlich Kraft in einem „Schnapper”. Der erste Reflex ist immer, die Hand wegzuziehen, doch dem begehrten Leckerli wird natürlich „nachgesetzt“. Wie Sie es schmerzfrei machen können, zeigt das Video sehr anschaulich.

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Bei diesem Vorgehen finden gleich mehrere Erziehungsmethoden Anwendung:

  1. Hund gehorcht auf Kommando (z. B. Sitz) ⇒ Leckerli anbieten (= positive Verstärkung ⇒ Verhalten ↑↑)
  2. Hund agiert zu aggressiv ⇒ Leckerli versperren (= negative Verstärkung ⇒ Verhalten ↓)
  3. Hund nimmt vorsichtiger ⇒ Sperre aufheben (= negative Bestrafung ⇒ Verhalten ↑)

Sie sehen, Hundeerziehung ist gar nicht so schwierig. Vieles machen Sie schon aus dem Gefühl heraus richtig, einiges kennen Sie evtl. bereits aus Ihrer Erfahrung mit Kindern (oder Partnern :-)) – und der Rest ergibt sich oft aus dem Kontakt mit anderen Hundehaltern.

Ihre Andrea Plattfaut

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